Wasserwirtschaftsamt
Traunstein

Wimpertierchen - Ciliaten

Wimpertierchen sind hochorganisierte Einzeller, die sämtliche Lebensräume besiedeln. Nicht nur im Süßwasser, in Moosrasen und im Meer findet man sie in großer Anzahl und Artenvielfalt.

Die freilebenden Formen ernähren sich von Bakterien, Flagellaten, Algen, anderen Ciliaten, Rädertieren Stärke und Fett.

Auffälligstes Merkmal dieser Organismen sind ihre Wimpern. Bei einigen Tieren sind einzelne Wimpern zusammengefasst, und dienen dem Ciliat bei der Nahrungsaufnahme, der Fortbewegung und der Orientierung.

Gruppe der Wimpertierchen
Unterklasse: "Glockentierchen" - Peritrichia
Carchesium polypinum
(Glockenbäumchen)

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  • Das Glockenbäumchen ist ein Koloniebildner. Die einzelnen Wimpertierchen sind über Stiele miteinander verbunden. In diesen Stielen befindet sich ein Muskel, der zur Kontraktion des Stieles befähigt (siehe Video).
  • Das Glockenbäumchen frisst fast ausschließlich Bakterien; gelegentlich gehören auch Algen, kleine Flagellaten und Detritus zur Nahrung.
  • Das Glockenbäumchen ist ein typischer Bewohner von stark verschmutzten Gewässern verschiedenster Art - Bäche, Flüsse, Tümpel, Fischteichen und Seen. Aufgrund seiner saprobiellen Einstufung wird das Glockenbäumchen der Güteklasse III (stark verschmutzt) zugeordnet.
Vorticella convallaria Komplex
(Maiglöckchen)

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  • Die Tiere haben einen schlanken glockenförmigen Körper. Der Stiel ist sehr dünn und oft mit kleinen Sekretkörnchen bedeckt.
  • Deutlichstes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Vorticellaarten ist der "J-förmige" Makronucleus, der längs der Körperachse liegt.
  • Der Artenkomplex umfasst neben der namensgebenden Art noch weitere Vorticellidae, die aufgrund der bisher ungenau beschriebenen Morphologie noch nicht von einander getrennt werden können.
  • Das Maiglöckchen frisst überwiegend Bakterien; gelegentlich gehören auch Algen und Detritus zur Nahrung.
  • Das Maiglöckchen ist sehr verbreitet in den verschiedensten Gewässern. In stark verunreinigten Bereichen ist dieser Komplex sehr häufig anzutreffen und bildet dort dann grau-weiße Überzüge. Aufgrund seiner saprobiellen Einstufung wird das Maiglöckchen der Güteklasse III (stark verschmutzt) zugeordnet.
Epistylis sp.

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  • Die Gattung Epistylis gehört zu den koloniebildenden Glockentierchen. Im Gegensatz zur Gattung Vorticella besitzen ihre Stiele keinen Muskel mit denen sie sich zusammen ziehen können.
  • Die Arten von Epistylis fressen überwiegend Bakterien; gelegentlich gehören auch Algen und Detritus zur Nahrung.
Cothurnia sp.
(Pokaltierchen)

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  • Diese Glockentierchen besitzen ein Gehäuse, in das sie sich bei Störungen zurückziehen können (siehe Video).
  • Man findet dieses Tier ganzjährig in stehenden und fließenden Gewässern, wo sie auf verschiedenen Pflanzen bevorzugt sitzen. Massenvorkommen bildet diese Gattung selten, so dass sie unterm Mikroskop oft übersehen werden.
  • Vermutlich ernähren sich diese Tiere ausschließlich von Bakterien.
Thuricola sp.

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  • Ähnlich wie bei der Gattung Cothurnia besitzen die Thuricola-Arten ein Gehäuse, in das sie sich ganz zurück ziehen können.
  • Die 240 bis 450 µm großen Tiere ernähren sich fast ausschließlich von Bakterien und Algen.
  • Aufgrund seiner vorhandenen Toleranz gegenüber organischen Belastungen wurde Thuricola als idealer Indikator für kritische Gewässerbelastung eingestuft (Güteklasse II-III).
Unterklasse: Heterotrichida
Stentor polymorphus et Stentor coerulans
(Grüne und blaue Trompentiere)

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  • Die Gattung der Trompetentierchen erhielt seinen Namen durch seine eigentümliche Gestalt. Trotzdem handelt es sich bei diesen Organismen um sehr vielgestaltige Wesen (siehe Videos).
  • Das "Grüne Trompetentier" ernährt sich hauptsächlich von Phytoflagellaten (Euglena, Gonium) und anderen Ciliaten (Coleps, Colpidium, Paramecium).
  • Im Saprobiensystem wurde das "Grüne Trompetentier" in die Güteklasse II-III (kritisch belastet) eingestuft.
Stentor cf. coerulans
(Blaues Trompetentier)

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  • Das "Blaue Trompetentierchen" ernährt sich von Bakterien, Flagellaten, Kieselalgen, Amöben, anderen Ciliaten, Rädertieren und Oligochaeten.
  • Aufgrund seiner saprobiellen Einstufung findet man das "Blaue Trompetentierchen" in stark verschmutzten Gewässern (Güteklasse III).
Unterklasse: Hypotrichia

Die Hypotrichen sind eine ziemlich einheitliche, leicht erkennbare Gruppe von Ciliaten, die sowohl im Süß- und Meerwasser als auch in terrestrischen Biotopen weit verbreitet ist.

Die Hypotrichen sind durch folgende Merkmale charakterisiert: Der Körper ist meist dorso-ventral (auf der Körperrück- und Vorderseite) abgeflacht und häufig sehr flexibel. Die Bewimperung der Ventralseite besteht aus vielen Cirren. Der wichtigste Bestandteil des Mundapparates ist die adorale Membranellenzone, die bei den einzelnen Gattungen unterschiedlich ausgeprägt ist (bei den Gattungen Euplotes und Stylonychia ist der Mundapparat gut zu sehen; bei Aspidisca ist die adorale Membranellenzone eher unauffällig).

Uroleptus sp.

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  • Die Gattung Uroleptus ist gekennzeichnet durch ihre adorale Membranellenzone (siehe Kopfbereich) und dem ± leicht ausgezogenen Hinterende.
  • Die Tiere dieser Gattung ernähren sich hauptsächlich von Bakterien und Algen. Auch Ciliaten werden gelegentlich von ihnen erbeutet.
  • Man findet diese Tiere häufig in stehenden oder langsam fließenden Gewässern.
Aspidisca cicada
(Rippentierchen)

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  • Das Rippentierchen ist eines der häufigsten Wimpertierchen. Man findet es in allen Gewässertypen, so z.B. in Altwassern, Seen, Teichen, Flüssen, Bächen, Gräben und auch in Belebungsbecken von Kläranlagen.
  • Als ein sogenannter "Weidegänger" ernährt sich das 25 bis 40 µm große Tier von dem Bakterienrasen verschiedenster Beläge. Selten gehören auch Algen zu seiner Nahrung.
  • Aufgrund der saprobiellen Einstufung findet man das Rippentierchen in stark verschmutzten Gewässern (Güteklasse III).
  • Videos:
    Deutlich erkennt man auf dem ersten Video die Rippen des Wimpertierchen denen es seinen Namen verdankt. Das Rippentierchen ist ein schlechter "Schwimmer". Deutlich erkennt man im zweiten und dritten Video, wie es unkontrolliert herum kreist. Nur auf festem Untergrund kann sich das Tier "zielorientiert" fortbewegen.
Euplotes sp.
(Lauftierchen)

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  • Die Lauftierchen ähneln stark den Rippentierchen. Auch sie sind keine geschickten Schwimmer.
  • Die unterschiedlich großen Tiere, Varianz liegt zwischen 40 und 230 µm, ernähren sich von Bakterien, Flagellaten, Kieselalgen, kokkalen Grünalgen und anderen Wimpertierchen.
  • Meistens findet man diese Ciliaten in langsam fließenden oder stehenden Gewässern.
  • Videos:
    Video 1 zeigt ein ca. 60 µm großes Lauftierchen. Dabei könnte es sich um Euplotes affinis handeln. Die Videos 2 bis 5 zeigen ein ca. 100 µm großes Tier. Deutlich erkennt man an dem Lauftierchen die dicken Cirren (siehe Bild 1) und die adorale Membranellenzone (siehe Bild 2).
Ordnung: Cyrtophorida
Chilodonella cf. uncinata
(Lippenzähnchen)

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  • Bei dem Lippenzähnchen handelt es sich um einen eiförmigen Ciliaten, mit schwach vorspringendem, nach links gekrümmten "Schnabel". Seine Größe beträgt ca. 50 bis 90 µm.
  • Als Nahrung dienen dem Bewohner stehender und langsam fließender Gewässer Kiesel- und Grünalgen.
  • Die Gewässer in denen man dieses Tier findet, können stark verschmutzt (Güteklasse III) sein.
Gastronauta cf. membranaceus

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  • Dieses ca. 50 bis 70 µm große Wimpertier kann man unter dem Mikroskop deutlich an seinem Mund -auffallend quere Spalte- und an dem freien Wimpernfeld auf der Bauchseite erkennen.
  • Das sich von Bakterien ernährende Wimpertier wurde bisher in Fließgewässern, Teichen und Weggräben gefunden.
  • Verschmutzungen können diese Wimpertiere bis zu einem gewissen Grade vertragen. Deshalb stehen diese Tiere für mäßig belastetete Gewässer (Güteklasse II).
Ordnung: Pleurostomatida
Loxophyllum meleagris
(Wallendes Blatt)

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  • Das auffällige Wimpertier ist eindeutig anhand seiner "bauchseitig" gelegenen Warzenreihe sowie dem perlschnurförmigen Kern zu erkennen. Das Tier ist sehr biegsam und metabolisch. Bei maximaler Streckung kann das Wallende Blatt eine Länge von 500 µm erreichen.
  • Als Beutetiere dienen kleine und mittelgroße Ciliaten; aber auch Rädertiere werden vereinzelt erbeutet.
  • Man findet das Wimpertier in stehenden und fließenden Gewässern, wobei es eine mäßige Toleranz gegenüber organischer Verschmutzung aufweist. Deshalb ist es in die Güteklasse II (mäßig belastet) eingestuft.
Litonotus cygnus
(Zuckgänschen)

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  • Das Zuckgänschen ist ein sehr dehnbarer (besonders Hals und Rumpf) und metaboler Ciliat, der bei vollständiger Streckung bis zu 500 µm groß werden kann.
  • Diese Einzelgänger kommen in fast allen Gewässertypen vor. Auch zeigen Nachweise im Brackwasser und in marinen Biotopen die Verträglichkeit gegenüber Salzwasser. Im Rahmen des Saprobienindex hat man das Tier in die Güteklasse II (mäßig belastet) eingestuft.
Sonstige Wimpertierchen
Ordnung: Hymenostomata
Paramecium sp.
(Pantoffeltierchen)

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  • Das Pantoffeltierchen ist wohl das bekannteste Wimpertierchen aus der Schulzeit. Unvergessen sind wohl die "Heuaufgüsse", mit denen man sich während des Biologieunterrichtes diese kleinen Organismen herangezüchtet hat. Noch bedienen sich viele Aquarienbesitzer des Heuaufgusses, um Nährtierchen für ihre Fische zu züchten.
  • Die meist länglichen und spindelförmigen Pantoffeltierchen können eine Größe von bis zu 300 µm erreichen.
  • Meist findet man sie in stehenden nährstoffreichen oder stark verschmutzten Gewässern.
Colpidium sp.
(Nierentierchen)

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  • Das Nierentierchen besitzt eine eiförmige Gestalt. Der Mund ist leicht zur rechten Schmalseite verschoben. Die Größe dieses Ciliaten reicht von 90 bis zu 150 µm.
  • Als Nahrung dienen dem Nierentierchen Algen und Bakterien. Besonders diese Ernährungsweise macht es deutlich, dass Massenvorkommen in polysaproben Gewässern gefunden wurden. Deshalb ist die Einstufung in die Güteklasse IV (übermäßig verschmutzt) verständlich.
Cinetochilum margaritaceum

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  • Dieser kleine Ciliat besitzt eine linsenförmige Gestalt, die seitlich stark abgeflacht ist. Deutlich ist bei diesem Tier am Hinterende eine kleine, aber sehr typische Kerbe zu erkennen.
  • Dem 25 bis 40 µm großem Tier dienen vor allem Bakterien als Nahrung. Aber auch zentrische (runde) Diatomeen und andere Algen werden verspeist.
  • Man findet dieses Wimpertierchen ganzjährig in Aufwuchs, Detritus und in der Freiwelle fließender und stehender Gewässer.
Glaucoma scintillans
(Schiefmundtierchen)

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  • Dieses Wimpertierchen besitzt eine schlanke bis breit ellipsoide, meist nach hinten leicht verbreiterte Gestalt.
  • Schon bei schwacher Vergrößerung erkennt man das Tier deutlich an der heftig schlagenden (scintellierenden) Wimpernplatte.
  • Dem meist um 55 µm großen Tier dienen vor allem Bakterien als Nahrung. Aber auch Algen und Detritus werden verspeist.
  • Man findet dieses Wimpertierchen ganzjährig in Aufwuchs und Detritus fließender und stehender Gewässer.
  • Im Saprobiensystem wurde das "Schiefmundtierchen" in die Güteklasse IV (übermäßig verschmutzt) eingestuft.
Tintinnidium sp.
(Klöppelglöckchen)

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  • Das auffallenste Merkmal dieser Tiere ist das Gehäuse, das außen dicht mit Fremdkörpern überkrustet ist. Die Klöppelglöckchen haften nun mit einer sehr kontraktilen, stielartigen Verlängerung des Hinterkörpers an den Seitenwänden des Gehäuse.
  • Als Nahrung dienen diesen Tieren Grünalgen, Kieselalgen, Flagellaten und Bakterien.
  • Man findet diese Wimpertiere in stehenden und fließenden Gewässern, wobei es eine mäßige Toleranz gegenüber organischer Verschmutzung aufweist. Deshalb sind sie in die Güteklasse II (mäßig belastet) eingestuft.
Monilicaryon monilatus

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  • Diese schlanken, spindelförmigen und sehr flexiblen Wimperntierchen können 350 bis 950 µm (ca. 1mm) groß werden.
  • Ihren Lebensraum finden diese Tiere ganzjährig im Detritus und zwischen Algen von stehenden und fließenden Gewässern.
  • Als Nahrung erbeutet dieses Tier Kieselalgen, andere Ciliaten, Rädertiere und Bakterien.
  • Im Rahmen des Saprobienindex hat man das Tier in die Güteklasse II (mäßig belastet) eingestuft.