Wasserwirtschaftsamt
Traunstein

Wie "funktionieren" die Alpen?

Vor etwa 70 Millionen Jahren begann die Afrikanische Platte auf ihrem Weg nach Norden auf die Europäische Platte zu drücken. Durch die enormen Kräfte wurde der Südrand Europas gestaucht und aufgefaltet. Im Lauf der Jahrmillionen entstanden so die Alpen. Dieser Vorgang dauert noch heute an, noch immer bewegen und heben sich die Berge im Bereich von Millimetern pro Jahr. Immer wiederkehrende Erdbeben vom Balkan über Norditalien bis Frankreich sind Auswirkungen dieser Bewegungen der Erdkruste.

Die Alpen wären heute einige tausend Meter höher, wenn es nicht eine gegenläufige Entwicklung gäbe. Wind und Wasser, Schnee und Eis verursachen ständige Erosion und Abtrag der Berge. Auch die verschiedenen Eiszeiten haben das Gesicht der Alpen nachhaltig geprägt. Neben den geologischen Vorgängen wie Felsstürzen oder Hangrutschungen sind es primär auch die Wildbäche, die heute an den Bergen "nagen". Wildbäche graben sich tief ein, seitliche Hänge rutschen nach. Das Material wird bei Hochwasser als Geschiebe oder Muren ins Tal transportiert, Schwemmkegel werden aufgeschüttet. Wasser, Schnee und Lawinen schürfen die ohnehin schon dünne Humusschicht ab. All diese Vorgänge sind ganz natürliche Bestandteile des Naturraumes Alpen.

Erst durch die Nutzungsansprüche des Menschen wurden diese ständig ablaufenden Vorgänge zu einem Risiko für ihn und seine Güter. Aufgabe der Wildbachverbauung ist es, die natürlichen Vorgänge so zu steuern und zu lenken, dass Schäden soweit möglich verhindert werden. Dafür stehen je nach örtlicher Situation eine ganze Reihe von Methoden zur Verfügung:

Mit diesen Maßnahmen leistet die Wildbachverbauung nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Menschen in den Bergen, sie schafft letztendlich erst die Voraussetzung dafür, dass der Alpenraum als Siedlungs-, Wirtschafts- und Erholungsraum genutzt werden kann. Aber in der Natur kann es keinen 100prozentigen Schutz geben. Jedes technische Bauwerk hat seine Grenzen, die bei entsprechenden Katastrophen auch überschritten werden können. Zudem handelt es sich hier auch um eine Daueraufgabe. Das Problem der Naturgefahren im Bergland lässt sich nicht mit einem "Kraftakt erledigen". Die erstellten Bauwerke müssen laufend betreut, unterhalten und ggf. auch wiederhergestellt werden. Durch die ständigen Veränderungen können neue Gefahrenherde entstehen, die dann auch entsprechende Schutzmaßnahmen erfordern. Somit bleibt die Wildbachverbauung eine ständige Herausforderung auch für die Zukunft.

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