Gefahren im Alpenraum
In Expertenkreisen versteht man unter dem Begriff der "Naturgefahr" lediglich die Möglichkeit, dass bestimmte Naturereignisse auftreten können. Dazu gehören im Alpenraum neben Hochwasser auch Muren, Rutschungen oder Felsstürze und Lawinen. Aufgrund der komplexen Zusammenhänge zwischen Geologie, Klima und Wetterbedingungen und der naturgemäßen sehr hohen Dynamik dieser Ereignisse treten diese sehr schnell und auch in einer sehr hohen Intensität auf. Muren können Geschwindigkeiten von 50 km pro Stunde und mehr erreichen, Lawinen sogar 300 km pro Stunde. Eine genaue Vorhersage, was wann und wo passieren könnte ist schwierig und oft auch unmöglich. Innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich aus einem sonnigen Sommertag ein mächtiger Gewitterniederschlag, der friedliche Gebirgsbäche zu reißenden Wildbächen anschwellen lässt.
Lawinen und Felsstürze, typische Gefahren im Alpenraum
Felsstürze, typische Gefahren in den Alpen
Zunächst sind diese Gefahren ganz natürliche Abläufe, die zum Lebensraum Alpen einfach dazu gehören. Sie werden erst dann zu einem "Risiko", wenn der Mensch mit seinen Nutzungsansprüchen bedroht ist. Das Problem dabei ist, dass diese Naturereignisse oft „Pausen“ einlegen. Über Jahre und Jahrzehnte herrscht Ruhe, es passiert nichts. Der Mensch wagt sich mit seinen Baugebieten und Straßen in Gebiete vor, die potenziell gefährdet sind. Den Warnungen der Experten wird kein Glauben geschenkt, weil ja „seit Menschengedenken“ nichts passiert sei. Dabei ist auch wissenschaftlich bewiesen, dass dieses menschliche Gedächtnis zu früheren Katastrophen nur wenige Jahre zurück reicht. Wie jüngste Beispiele etwa beim Hochwasser im August 2005 zeigen, hat sich diese Einstellung schon wiederholt bitter gerächt.
Was macht nun die Naturgefahren im Bergland so "gefährlich"?
- Die Vorhersage ist sehr schwierig, Vorwarnungen – wenn überhaupt – nur sehr kurz.
- Die Prozesse laufen sehr schnell und mit hoher Intensität ab. Man spricht von "brutalen" Prozessen.
- Die technischen Möglichkeiten zur Beherrschung der Prozesse sind beschränkt.
- Die Akzeptanz der Risiken und Gefahren fehlt in vielen Fällen.
Hochwasser und Muren laufen sehr schnell und "brutal" ab
Die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung kann mit ihren technischen Bauwerken nur in begrenztem Umfang Schutz bieten. Es ist hier dringend notwendig, dass sich alle Beteiligten – Verwaltung, Gemeinden und auch Private – als eine „Interessengemeinschaft“ verstehen. Wir können es nur gemeinsam schaffen, mit diesen Herausforderungen umzugehen.
In "ruhigen Zeiten" wagt sich der Mensch nah –oft zu nah- an den Wildbach heran
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