Wasserwirtschaftsamt
Traunstein

Alpen - Ein besonderer Lebensraum

Die Berge haben es in sich: Ihre Schönheit und Ruhe faszinieren uns - gleichzeitig sind sie unberechenbar und gefährlich. Verantwortlich für die hohe Dynamik in den Bergen sind in erster Linie natürliche Prozesse: Die Alpen sind - geologisch betrachtet - ein relativ junges Gebirge, das ständiger Veränderung unterworfen ist. Unmerklich bewegt sich das Gestein, Spannungen bauen sich auf, Spalten und Klüfte entstehen. Plötzlich kommen ganze Hänge ins Rutschen, Felsblöcke donnern ins Tal, Muren zerstören Straßen und Häuser. Bei Gewitterregen verwandeln sich beschauliche Bergbäche innerhalb weniger Minuten in reißende Wildbäche.

Ein idyllischer Bergbach. + Ein idyllischer Bergbach kann sich schnell in einen reißenden Wildbach verwandeln

Ein reißender Wildbach hat Teile einer Straße mitgerissen. + ... und Schäden verursachen

Die hohe Dynamik steht in Verbindung mit einer außerordentlichen Vielfalt der geologischen und klimatischen Verhältnisse. So schwanken die Niederschläge von unter 500 Liter pro m2 im Jahr in den inneralpinen Trockentälern bis über 3000 Liter an den nördlichen Staulagen. Mediterranes, gemäßigtes und arktisches Klima wechseln sich ab in engen Räumen. Unter dieser großen Vielfalt der Lebensbedingungen konnte sich eine einmalige und reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. So weist der Alpenraum mit rd. 5000 verschiedenen Blütenpflanzen fast die Hälfte der in Europa vorkommenden Pflanzenarten auf. Aufgrund dieser teilweise extremen Lebensbedingungen reagieren Tiere und Pflanzen auf Eingriffe und Störungen sehr empfindlich.

Der Bachsteinbrech überlebt auch ein längeres Austrocknen des Wildbaches + Der Bachsteinbrech überlebt auch ein längeres Austrocknen des Wildbaches

Der Mensch hat den Lebensraum Alpen erst vor wenigen tausend Jahren entdeckt. Das bekannteste Beispiel ist hier der „Ötzi“ der nachweislich vor ca. 5000 Jahren gelebt hat. Man kann sich fragen, weshalb die Berge trotz der ständigen Bedrohung durch Naturgefahren und des unwirtlichen Klimas für den Menschen überhaupt attraktiv waren. Die freien Flächen oberhalb der Waldgrenze waren für nomadisierende Jäger als Weidegebiete interessant – später lockten Bodenschätze wie Salz, Kupfer und Silber die Menschen ins Gebirge. Heute nutzt der Mensch vor allem die Ressource Natur: Der Tourismus ist zum Wirtschaftsfaktor Nummer eins in den Alpen geworden.

Weidende Kühe auf einer Alm + Die Almwirtschaft ist seit jeher eine wichtige Nutzung durch den Menschen

Wir stehen heute vor der Herausforderung, die Nutzungsansprüche des Menschen in Einklang zu bringen mit den ökologischen Anforderungen dieses einmaligen Lebens- und Naturraums.